Archiv für den Monat: Dezember 2015

Welpentransporte an der Grenze zu Bayern aufgedeckt

Insgesamt 217 illegal transportierte Hundewelpen wurden am vergangenen Wochenende bei Fahrzeugkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze entdeckt. Die Tiere, die ohne gültige Impfungen aus Ungarn und der Slowakei kamen, sollten offenbar noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft als Billigware angeboten werden.

Die viel zu jungen, geschwächten und kranken Hunde wurden nach der Beschlagnahmung auf verschiedene bayerische Tierheime verteilt, um sich dort von ihren Strapazen zu erholen. Zunächst sollten die Tiere auf Anordnung des bayerischen Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft an die Händler zurückgegeben und in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden. Diese Entscheidung wurde gestern zurückgenommen. Der Grund dafür dürfte unter anderem der immense Druck der Öffentlichkeit gewesen sein.

Auch die international tätige Tierschutzstiftung VIER PFOTEN kritisiert die ursprüngliche Entscheidung des Ministeriums aufs Schärfste, die Welpen abzuschieben, um so die Kosten für die Behandlung und Pflege der Tiere einzusparen. Dies hätte für die Hunde das sichere Todesurteil bedeutet.

Birgitt Thiesmann (52), Heimtierexpertin bei VIER PFOTEN:
„Statt angemessene Strafen zu erlassen, wurde hier zum Wohl der Händler entschieden, ohne auf die bereits geschundenen und traumatisierten Welpen Rücksicht zu nehmen. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und ein völlig falsches Zeichen im Kampf gegen die weltweit agierende Welpenmafia, sondern auch ein Schlag ins Gesicht für alle Tierschutzorganisationen, die sich gegen den illegalen Welpenhandel engagieren. Angesichts dieser Entscheidung stellt sich die Frage, wie zukünftig mit illegalen Welpentransporten verfahren wird, die durch stichprobenartige Kontrollen auffliegen.“

Die konfiszierten Welpen werden in den Tierheimen bestens versorgt und medizinisch behandelt. Wenn sie gesund sind, können sie nach der Quarantänezeit in gute Hände vermittelt werden.

Der boomende Handel mit jungen Hunden, insbesondere in der Vorweihnachtszeit, ist ein ernstzunehmendes Problem, das nur durch eine strikte Regelung begrenzt werden kann.

Thiesmann, die seit Jahren zum Thema recherchiert:
„Um den Welpenhandel zu kontrollieren, ist eine EU-weite einheitliche Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Hunde erforderlich. Diese ist nicht nur dringend notwendig, sondern auch realisierbar. Eine Expertengruppe von VIER PFOTEN hat das Konzept soeben im Rahnen des EU-Projekts CAROdog fertiggestellt. Andernfalls sind den illegalen Händlern keine Grenzen gesetzt.“

Assistenzhunde sollen bessere Anerkennung erhalten

Hunde können für viele Menschen von Nutzen sein. Besonders profitieren zunehmend Menschen mit Behinderungen von tierischer Unterstützung, die mit Assistenzhunden selbstbestimmter leben können. Für Blindenführhunde gibt es bereits gesetzliche Regelungen, die bisher noch nicht durchgehend für andere Assistenzhunde gelten. Assistenzhunde können im Alltag bei sogenannten ‚Lebenspraktischen Fähigkeiten‘ unterstützen. Sie heben einen Schlüssel auf, können eine Türklinke bedienen oder anders helfen. Bei einigen Erkrankungen wie Diabetes, Epilepsie und Asthma werden auch Warn- oder Signalhunde zur Assistenz eingesetzt. Sie warnen vor Unterzuckerung oder holen Hilfe.

„Durch die Festlegung in der UN-Behindertenrechtskonvention ist die Festschreibung des Anerkennens der Notwendigkeit der rechtlichen Gleichstellung verschiedener Assistenzhunde erforderlich“, hatte die Niedersächsische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, bei der Anhörung zum „Antrag zur Gleichstellung verschiedener Assistenzhunde“ im Landtag eingefordert. Da bisher einige Regelungen ausschließlich für Blindenführhunde gelten, begrüßt Wontorra, dass die Landesregierung durch den heutigen Beschluss im Landtag aufgefordert wird, sich auf Landesebene wie auf Bundesebene für die rechtliche Gleichstellung unterschiedlicher Assistenzhunde einzusetzen. So soll beim Mitführen von Assistenzhunden der Zugang zu allen Gebäuden sowie Einrichtungen, die der Öffentlichkeit offen stehen, ermöglicht werden. Es wird zudem empfohlen, sich dafür einzusetzen, dass Assistenzhunde wie Blindenführhunde in die Hilfsmittelverzeichnisse der Kostenträger aufgenommen werden.

Wontorra wird außerdem weiter darauf hinwirken, dass ergänzend das Nds. Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) bei den Regelungen zum Leinenzwang von Hunden angepasst wird. Künftig soll sichergestellt werden, dass neben Blindenführhunden auch weitere Assistenzhunde, die Menschen mit Behinderungen unterstützen, auch während der Brut-, Setz und Aufzuchtzeit Waldwege ohne Leine nutzen können. Angeregt wird in diesem Verfahren, die Neuregelung grundsätzlich für alle Hunde zu lockern.

Hunde ohne Heim

Über 300.000 Menschen in Deutschland sind obdachlos, Tendenz steigend, so die Prognose der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W). Für viele dieser Menschen ist ein Hund der einzige treue Begleiter – und um diesen kümmern sie sich besonders gut. Obwohl sie Tag und Nacht draußen leben und sich ihre Besitzer teures Futter oder tierärztliche Behandlungen kaum leisten können, ist die Mehrheit der Obdachlosenhunde gesund. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Agila Haustierversicherung unter Initiativen in Deutschland, die sich für das Wohlergehen der Tiere einsetzen.

Medizinische Grundversorgung für Obdachlosenhunde

Zecken-, Floh- und Wurmbefall gehören zu den häufigsten Problemen, unter denen Obdachlosenhunde aufgrund der hygienischen Zustände auf der Straße leiden. „Deswegen konzentrieren sich die Initiativen vor allem auf die medizinische Grundversorgung der Tiere, etwa in Form von Impfungen und antiparasitären Behandlungen“, so Agila-Sprecher Marco Brandt. „Um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, haben wir den Initiativen Floh- und Zeckenprophylaxen zur Verfügung gestellt.“ Um Hunden und ihren Begleitern entgegen zu kommen, sind viele Initiativen auf der Straße unterwegs. Einige führen Behandlungen in umgebauten Krankenwagen durch, andere bieten ihre Hilfe regelmäßig auf Parkplätzen oder bei U-Bahnstationen an.

Initiativen ehrenamtlich organisiert

Alle Initiativen sind ehrenamtlich organisiert, viele von ihnen haben mehr als 20 freiwillige Helfer. Neben Tierärzten und -heilpraktikern unterstützen oft Tiermedizinstudenten und engagierte Tierliebhaber bei der Vereinsarbeit und der Versorgung der Tiere. Je nach Kapazität werden monatlich bis zu 80 Hunde medizinisch betreut. Neben Parasitenbefall behandeln die Tierärzte bei Obdachlosenhunden oft Zahnprobleme und kleinere Schnittverletzungen. Bei Kastrationen, chronischen Erkrankungen und komplizierten Operationen stoßen sie jedoch an ihre Grenzen, da sich die Initiativen nur aus Spenden oder Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Unterstützer und Spender sind daher immer willkommen.