Archiv für den Monat: Februar 2014

„Hunde aus dem Ausland“

Immer mehr Hunde aus dem Auslandstierschutz finden bei deutschen Tierhaltern ein neues Zuhause. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V. wollte deshalb in einer Umfrage wissen, welche Erfahrungen Tierhalter mit Hunden aus dem Ausland gemacht haben.

Das Positive überwiegt
Von den 1.144 Umfrageteilnehmern haben 64 % grundsätzlich positive Erfahrungen mit Auslandshunden gemacht und würden sich wieder für einen solchen Hund entscheiden. Weitere 33 % haben ebenfalls positive Erfahrungswerte gesammelt, berichten gleichzeitig aber auch von Problemen, die über die Eingewöhnungszeit hinaus bestehen und ein kontinuierliches Training mit dem Hund erfordern. Weitere Probleme werden in der Zusammenarbeit mit den vermittelnden Organisationen angegeben. Nur 3 % können ausschließlich Negatives berichten. „Man holt sich ja eigentlich ein Überraschungsei ins Haus und man sollte vorher genau überlegen, ob man auch mit einem Hund klar kommt, der schon negative Erfahrungen gemacht hat und etwas schwieriger in der Erziehung ist“, bringt Hundehalterin Nancy Burkhard die Besonderheit von Hunden aus dem Ausland auf den Punkt.

Ausgeprägte Sozialverträglichkeit und hohe Sensibilität
Auslandshunde sind häufig von Beginn an sehr sozialverträglich mit Artgenossen und anderen Tieren, und zeugen von einer hohen Anpassungsfähigkeit. Zudem berichten viele Umfrageteilnehmer von einer äußerst ausgeprägten Sensibilität gegenüber Menschen, die Zuchthunde in dieser Form nicht immer aufweisen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickeln sich die meisten diese Tiere zu menschenbezogenen und gelehrigen Hunden, die sehr darum bemüht sind, alles richtig zu machen und täglich ihre große Dankbarkeit zeigen. „Zu sehen, wie die Hunde nach einiger Zeit aufleben, und dann auch am Leben teilnehmen, ist jedes Mal die Mühe wert“, schreibt Petra Kohl abschließend in ihrem Erfahrungsbericht bei der TASSO-Umfrage.

Unvorhersehbare Reaktionen – vor allem in der Anfangszeit
Einige Umfrageteilnehmer berichten häufig von Angst- und Panikattacken, die sich erst nach und nach herauskristallisierten. Viele Auslandshunde wurden misshandelt und werden ihre Ängste vor dunkel gekleideten Menschen, Besen oder anderen negativen Einflüssen aus ihrer Vergangenheit nur schwer wieder los. Gerade bei ehemaligen Straßenhunden müssen die neuen Besitzer mit einem ausgeprägten Freiheitsdrang rechnen. Neben Rastlosigkeit und Schwierigkeiten beim Alleinbleiben können in Einzelfällen auch Stubenunreinheit und Aggressionen auftreten. Manche Teilnehmer berichten auch von mangelnden und sogar falschen Auskünften durch die vermittelnden Organisationen, vor allem in Bezug auf den Gesundheitszustand des Tieres, was oftmals zu sehr hohen Tierarztkosten führte, mit denen der neue Besitzer im Vorhinein nicht gerechnet hat. Deshalb ist zu empfehlen, sich vorab über die Seriosität des Vereines zu informieren und direkt nach der Vermittlung das Tier beim Tierarzt des Vertrauens gründlich untersuchen zu lassen.

Kontinuität und Geduld für die Vertrauensbildung – Tipps von Tierhalten für Tierhalter
Viele Umfrageteilnehmer haben in Ihren Erfahrungsberichten Tipps angegeben, die ihnen im Umgang mit ihren Tieren besonders geholfen haben. Um den Hunden das Eingewöhnen zu erleichtern, ist vor allem ein geregelter Tagesablauf wichtig. Zudem sollten die Hunde nicht überfordert, sondern mit viel Geduld behutsam an ihr neues Leben herangeführt werden. Nach einer unbestimmten Zeit, die das Tier selbst festlegt, kann auch zwischen einem traumatisierten Hund und seinen Menschen eine vertrauensvolle Bindung entstehen. Als besonders wichtig wird trotz aller Vorsicht eine souveräne Führung erachtet. Diese kann mit dem Besuch! einer Hundeschule oder Einzeltrainings bei einem Hundetrainer oder Hundepsychologen unterstützt werden. Allerdings ist zu bedenken, dass sich nicht jedes Problem-Verhalten wegtrainieren lässt, sondern die Halter lernen müssen, im Alltag damit umzugehen. „Die Ängste der Hunde sind teilweise sehr tief verankert und trotzdem bauen diese Hunde – behandelt mit sehr viel Liebe und Geduld – wieder so viel Vertrauen auf, dass sich ein Mensch das gar nicht vorstellen kann. Sie geben so viel und wollen so wenig“, beschreibt Hundehalterin Andrea Hensel ihre Erfahrung mit Hunden aus dem Auslandstierschutz.

Leben retten und einen tierischen Freund gewinnen
Dr. Claudia Ludwig, Journalistin, Autorin und Moderatorin hat schon einige Auslandshunde vor dem sicheren Tod bewahrt und ihnen ein liebevolles Zuhause gegeben. „Schon während meiner ersten Urlaubsreisen nach Griechenland, Spanien, Portugal oder in die Türkei sind mir die vielen hungrigen Streuner und Strandhunde aufgefallen, die Kontakt zu Menschen suchten und ganz offensichtlich kein Zuhause hatten. Ihnen gehörte sofort meine ganze Sympathie und Aufmerksamkeit“, beschreibt Dr. Claudia Ludwig ihre besondere Beziehung zu Hunden aus dem Auslandstierschutz. Über ihre Maremmano-Hündin aus Sardinien, die seit drei Monaten bei ihr lebt, sagt sie: „So viel Souveränität, Gelassenheit, aber auch Neugierde und liebevolles Interesse an ihrer neuen Familie ist geradezu unglaublich.“ Ihre Familie und sie würden sich immer wieder für einen Schützling aus dem Süden entscheiden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man herrenlosen Tieren aus Süd- und Osteuropa sowie der Türkei dadurch das Leben rette bzw. dazu beitrage, dass andere gerettet werden können.

250 Erfahrungsberichte aus unserer Umfrage finden Sie auf unserer Homepage unter http://www.tasso.net/Umfrage

Tierschutzbund kritisiert Messe „Jagd und Hund“

Anlässlich der in Dortmund stattfindenden Messe „Jagd und Hund“ kritisiert der Deutsche Tierschutzbund die Veranstalter. Nüchtern wirbt die Messe mit einem „umfangreichen Produkt- und Dienstleistungsangebot aus allen Bereichen der Jagd“. Unerwähnt bleibt, dass jährlich beim „Volksport Jagd“ etwa fünf Millionen Wildtiere allein in Deutschland sterben, obwohl es für den Abschuss der meisten jagdbaren Tierarten keinerlei ökologische Notwendigkeit gibt. Darüber hinaus bewirbt die Messe Safaris in aller Welt, damit Jäger dem fragwürdigen Hobby der Trophäenjagd nachgehen können. Unter dem Titel „Fisch und Angel“ ist auch der Angelbereich vertreten. Der Deutsche Tierschutzbund erneuert seine Forderung nach einer grundlegenden Novellierung des deutschen Jagdrechts.

Zur Umsetzung der notwendigen Veränderungen des Jagdwesens und des Jagdrechts in Deutschland muss das Bundesjagdgesetz als Rahmen grundlegend reformiert werden. Einzelne Jagdpraktiken, z. B. die Jagdhundeausbildung an lebenden Enten oder tierschutzwidrige Jagdmethoden wie die Fallenjagd und die Verwendung von Bleischrot, müssen verboten werden, fordert der Deutsche Tierschutzbund.

Weiteres Problem der Jagdgesetzgebung: die Pauschalregelung zum Abschuss von Haustieren, nach der Jäger vermeintlich wildernde Hunde und Katzen abschießen können. In der Praxis bedeutet dies: Eine Katze kann bereits dann abgeschossen werden, wenn sie wenige Hundert Meter von einem Wohnhaus entfernt über eine Wiese läuft oder vor einem Mauseloch sitzt. Dass die Katze in diesem Fall gar keine Gefahr für das Wild darstellt, ist dabei völlig irrelevant. „Es kommt auch immer wieder vor, dass Hunde ohne ersichtlichen Grund getötet werden, selbst dann wenn sie nur einige Meter vom Halter entfernt durch den Wald laufen. Das ist unglaublich“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Sinnlose Trophäenjagd
Im Rahmen der Messe „Jagd und Hund“ werben viele Veranstalter mit weltweiten Safaris. Thomas Schröder dazu: „Es ist beschämend, dass Menschen Tiere töten, nur um sich eine Trophäe ins Wohnzimmer zu hängen. Und es ist armselig, wenn man vor dem toten Tier für ein Foto posiert, wie zuletzt durch einen leitenden Angestellten im Thüringer Umweltministerium geschehen. Der angebliche Nutzen der Trophäenjagd zur Armutsbekämpfung und als Artenschutzmaßnahme ist bereits mehrfach widerlegt und nichts weiter als ein Feigenblatt für ein fragwürdiges Hobby.“

Weitere Informationen zum Umgang der Jägerschaft mit frei lebenden Katzen bzw. zum „Vogel-Killer-Vorwurf“ finden Sie hier:
www.tierschutzbund.de/jagdverband_frei_lebende_katzen

Einjähriger Hund aus Schleuse gerettet

Weil ein Pferd scheute, nahm der Border-Collie-Berner-Sennen-Mix „Börnie“ am Nachmittag des 30. Januars 2014 Reißaus. Börnies Frauchen, Heilpraktikerin Cornelia Blochberger, hatte ihren einjährigen Rüden mit in den Reitstall genommen, der sich nur wenige Kilometer von ihrem Heimatort Sinzing befindet. Sie startete sofort eine große Suchaktion, aber obwohl ihr Hund in mehreren umliegenden Orten gesehen wurde, ließ er sich nicht einfangen. „Insgesamt muss Börnie im Laufe dieses Tages über 80 Kilometer gelaufen sein“, schätzt Cornelia Blochberger. Am Abend schließlich gelangte er an eine Donau-Schleuse in Bad Abbach. Der mittlerweile stark erschöpfte Rüde versuchte dennoch, die an dieser Stelle etwa 150 Meter breite Donau zu durchschwimmen, kam aber nur bis zu einer Betonwand an der anderen Uferseite. Hier verließen ihn die Kräfte, und er kauerte sich auf einen Vorsprung. Ein Anwohner, Andreas Gruber, hörte das Tier nachts winseln und bellen. Als er das völlig durchnässte und unterkühlte Bündel schließlich gegen zwei Uhr entdeckte, alarmierte er die Rettungskräfte. Mit einem Feuerwehrmann kletterte Gruber zu Börnie und rettete ihn vor dem sicheren Tod: „In dieser Nacht herrschten etwa drei Grad unter null – mein Hund wäre ohne die Hilfe von Herrn Gruber sicherlich erfroren“, erzählt Cornelia Blochberger dankbar.

Zum Glück trägt Börnie noch sein Halsband mit der TASSO-Plakette. Cornelia Blochberger hatte ihn im vergangenen Jahr dort registrieren lassen, um ihn im Verlustfall zu schützen. Das zahlte sich nun aus. Über die Polizei erfuhr Börnies Frauchen so umgehend von der Rettung ihres Hundes und konnte ihn am nächsten Morgen überglücklich wieder in die Arme schließen. Für sie ein ganz besonderer Moment: „Im Juni vergangenen Jahres musste ich einen schweren familiären Schicksalsschlag verkraften, einen weiteren Verlust hätte ich wohl nicht überstanden.“