Archiv für den Monat: November 2013

Tiere gehören nicht auf den Gabentisch

Die vierjährige Sarah hat auf ihren Weihnachtswunschzettel ein Kaninchen gemalt, ihre achtjährige Schwester wünscht sich sehnlichst eine Katze. Der große Bruder dagegen schwärmt schon jetzt von einem vierbeinigen Freund, der mit ihm durch dick und dünn geht.

Alle Jahre wieder stehen in der Weihnachtszeit bei vielen Kindern Hunde, Katzen, Kaninchen oder Fische ganz oben auf dem Wunschzettel. Laut einer Studie wünschen sich rund 12 Prozent aller Nicht-Tierhalter in Deutschland ein Heimtier, die meisten von ihnen hätten gerne einen Hund (60 Prozent) oder eine Katze (28 Prozent). Dem Wunsch sollte man aber niemals spontan, quasi unter „Feiertagsstress“, nachgeben.

Häufig passt es besser, ein Tier fern vom Weihnachtstrubel in aller Ruhe in die Familie einzuführen. Denn Tiere sind Lebewesen und keine Sachen. Nicht nur Herrchen und Frauchen müssen sich an den neuen Freund gewöhnen. Gleiches gilt natürlich für das Tier, das sich in einer völlig fremden Umgebung zurecht finden muss. Mit der notwendigen Ruhe und Gelassenheit gelingt das Kennenlernen einfach besser und Aufgaben lassen sich gemeinsam und auch altersgerecht verteilen. Gut vorbereitet ist es noch einmal so schön, ein Tierbaby von klein auf zu betreuen, es wachsen und gedeihen zu sehen, mit ihm zu spielen und zu schmusen. Und aus einem kleinen Hundewelpen entwickelt sich dann schnell genau der treue und gelehrige Begleiter, den der Junior schon immer haben wollte.

Darauf ist zu achten

Frühzeitig sollte der Familienrat klären, welches Tier in die Familie und zu den Wohnverhältnissen passt. Wer geht mit dem Hund Gassi, wenn es draußen stürmt und schneit, wer säubert regelmäßig das Katzenklo, wer sorgt täglich für Futter und frisches Wasser oder wer ist für notwendigen Streicheleinheiten verantwortlich, sind weitere Fragen. Auch sollte den Eltern klar sein, dass gerade sie die nächsten Jahre in der Verantwortung stehen. Der Gang zum Tierarzt beispielsweise kann nicht an die Kinder delegiert werden. Selbst ein gesundes Tier muss aber regelmäßig geimpft und entwurmt werden, braucht Floh- und Zeckenschutz oder hat mal Ohrmilben. Der große Vorteil einer Aufgabenverteilung: Die Kinder lernen spielerisch Verantwortung zu übernehmen und die erforderliche Achtsamkeit gegenüber dem Tier zu entwickeln.

„Hundesitting“ als Freundschaftsdienst unter Tierfreunden

Schätzungen zufolge dürften in der Bundesrepublik derzeit mehr als 20 Millionen Haustiere leben. Etwa jeder dritte Haushalt hat einen tierischen Mitbewohner – vom Wellensittich über das Meerschweinchen bis hin zum Hund oder Pferd. In der Urlaubszeit kommen in der Regel auch Freunde und Nachbarn in den Genuss des einen oder anderen Vierbeiners, denn häufig bitten Tierhalter dann ihr Umfeld, für einige Tage auf das Haustier aufzupassen. Wer sich als „Hundesitter“ anbietet, nimmt dann aber nicht nur an den Freuden teil, sondern auch an den Risiken.

„Verwahrungsvertrag“ wird meist stillschweigend vereinbart

„Wer ein Tier für einen bestimmten Zeitraum pflegt, vereinbart stillschweigend einen sogenannten Verwahrungsvertrag mit dem Tierhalter“, klärt Dieter Sprott von den Ergo Direkt Versicherungen (ergodirekt.de/de.html) auf. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) haftet der Tiersitter dann für sämtliche Schäden, die das Tier unter Umständen anrichtet. Wer einen derartigen Freundschaftsdienst dennoch übernehmen möchte, sollte mit dem Tierhalter explizit über das Thema Haftung sprechen. Bedeutend ist dabei insbesondere, ob der Tierhalter eine Tierhalterhaftpflicht abgeschlossen habe, betont Dieter Sprott. In einer solchen ist nämlich die Betreuung eines Haustiers durch Dritte eingeschlossen, weshalb auch Tiersitter gegen Schäden an anderen Personen oder Gegenständen abgesichert wären. „Auf der sicheren Seite ist man, wenn zusätzlich in der eigenen privaten Haftpflichtversicherung das ,Hüten fremder Hunde/Pferde‘ mitversichert ist“, rät Dieter Sprott.

Schäden können mitunter in den Ruin führen

Wenn ein Tier beißt oder einen Verkehrsunfall auslöst, können Schäden entstehen, die mitunter in die Millionen gehen. Von der Behandlung durch einen Arzt oder im Krankenhaus über Kosten für die Pflege eines Verletzten bis hin zum Verdienstausfall oder Forderungen nach Rentenzahlungen oder Schmerzensgeld – schnell summiert sich unter Umständen eine hohe Summe, die einen unversicherten Tierbesitzer sogar in den Ruin treiben kann. Vor allem Schadensersatzforderungen können teuer werden und sind selbst dann fällig, wenn den Tierhalter keine direkte Schuld trifft. Laut BGB muss er nämlich dennoch zahlen. Als Paradebeispiel gilt dabei der Hund, der sich von seinem Besitzer losreißt und an anderen hochspringt oder diese beißt. Als unproblematischer erweisen sich im Gegensatz zum Hund übrigens kleine Hausgenossen wie Kaninchen, Goldhamster oder Vögel. Diese sind wie Katzen in der Haftpflichtversicherung der Familie eingeschlossen. Pferde und Hunde müssen hingegen durch eine Tierhalterhaftpflichtversicherung gesondert versichert werden.

Versicherung prüft im Schadensfall

Kommt es zum Schadensfall, überprüft eine Versicherung in der Regel zuerst, ob der Kunde – in dem Fall der Tierhalter – wirklich zu einer Zahlung verpflichtet ist. Unberechtigte Ansprüche werden unter Umständen gerichtlich abgewehrt. Die Kosten dafür trägt übrigens die Versicherung. Ist der Versicherte hingegen tatsächlich schadensersatzpflichtig, zahlt die Versicherung die entstandenen Schäden an Personen und Sachschäden im Rahmen der Deckungssumme. Dieter Sprott erläutert an einem typischen Beispiel, wann eine Haftpflicht in der Regel einspringt: „Eine Haftpflichtversicherung zahlt dann die Schäden, wenn sie einem plötzlichen und unvermittelten Ereignis zuzuordnen sind. Rennt die Katze beispielsweise bei Fremden eine teure Vase um, ist das so ein Fall.“ Abnutzungsschäden in der Wohnung, die dadurch entstehen, dass dort Tiere gehalten werden, ergeben sich hingegen erst über einen längeren Zeitraum hinweg. Deswegen sind derartige Schäden von der privaten Haftpflicht wie auch von der Tierhalterhaftpflicht ausgeschlossen.

„QR-Codes am Hundehalsband“: „Teurer und unnötiger Pseudo-Schutz“

QR-Codes, jene quadratischen, schachbrettartigen Bildchen, finden sich inzwischen fast überall: auf Plakaten, in Anzeigen, auf Verpackungen. Dort machen sie auch Sinn. Einfach mit dem Smartphone einscannen, schon erscheint der darin codierte Inhalt als Klartext auf dem Display. Das können Webadressen ebenso sein wie Produktinformationen oder Telefonnummern.

Einige Unternehmer sind nun auf die Idee gekommen, Plaketten für Hundehalsbänder mit QR-Codes auszustatten. Läuft das Tier weg, müsse der Finder lediglich die Plakette mit seinem Smartphone scannen und erfahre so die Kontaktdaten des Hundebesitzers, den er dann sofort anrufen könne.

„Eine zwar nahe liegende, aber keineswegs praxisnahe Idee“, sagt Philip McCreight von der Tierschutzorganisation TASSO e.V., die Europas größtes Haustierzentralregister betreibt und jährlich mehr als 50.000 entlaufene Tiere an ihre Besitzer zurückvermittelt. Seine Argumente:

• Die persönlichen Daten des Hundebesitzers werden offengelegt, was erfahrungsgemäß Erpressungen und Abzockversuche nach sich ziehen kann. Die kostenlosen Halsbandplaketten von TASSO zeigen dagegen im Klartext nur die Telefonnummer der TASSO-Zentrale sowie die individuelle Registriernummer. Wenn schon QR-Code-Anhänger, dann mit der TASSO-Telefon- und Registriernummer.

• Alle Leistungen von TASSO sind kostenlos, für den QR-Code-Anhänger und die Online-Registrierung werden dagegen bis zu knapp 50 Euro verlangt.

• Der QR-Code ist meist nur aufgedruckt, schon ein paar kleine Kratzer genügen, und der Code ist für ein Smartphone nicht mehr lesbar.

• Läuft der Hund weg, muss der Besitzer hoffen, dass der Finder ein modernes Smartphone dabei hat, auf dem eine so genannte Scan-App für QR-Codes installiert ist. Bei TASSO dagegen meldet er den Hund telefonisch oder online als vermisst, worauf die Mitarbeiter sofort die Suche einleiten, bei Tierheimen ebenso wie bei Tierärzten. Auf Wunsch bekommt er auch kostenlose Suchplakate zum Aufhängen. Wird das Tier gefunden, informiert ein TASSO-Mitarbeiter den Besitzer sofort über die Handy- oder Festnetznummer und gibt die Kontaktdaten des Finders durch. Die Anonymität des Besitzers bleibt so durchgängig gewahrt.

„Diese QR-Code-Plaketten sind teuer und gaukeln einen Schutz vor, der in der Praxis nicht sichergestellt werden kann“, fasst McCreight zusammen. „Wir beschäftigen für die Suche und Rückvermittlung entlaufener Haustiere mehr als 50 Mitarbeiter. Deren Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Kreativität lassen sich nicht durch relativ einfache Technik ersetzen.“